Geschichte der Architektur und Bildhauerei in Venedig 264 266

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sen der Madonna theils knieen, theils stehen und unter ihrem weit ausgebreiteten Mantel Schutz suchend, ihr kaum bis zu den Knieen reichen; in den Seitenblenden stehen zwei Heilige; obgleich die Figuren sehr durch das Alter geschwärzt, auch vielfach beschädigt sind, obgleich die Verschiedenheit der Grösse der einzelnen Figuren vielfach stört, so ist doch diese Gruppe immer noch sehr schön; vom Ausdruck der Gesichter ist leider fast nichts mehr zu erkennen; ebenso lässt sich bei der starken Verwitterung kaum über die Verhältnisse urtheilen; aber die Bewegung der Figuren ist ebenso gemessen graciös, der Faltenwurf ebenso fein angeordnet, als bei den bereits besprochenen Werken des Bartolomeo.
Die zweite Thür, deren Reliefplatte, so viel wir wissen, jetzt an der Abbazia eingefügt worden ist, war ganz ähnlich, hatte aber fast noch mehr durch die Unbilden der Witterung gelitten. Das Hauptportal der Abteikirche selbst ist sehr verstümmelt; es scheint, als habe es einen sehr hohen, geschweiften Giebel gehabt, flankirt von Tabernakeln; zu den Seiten der Gewände stehen ähnliche Säulen, wie bei dem Portal von S. Maria dell' Orto. Die Fenster haben solches Maasswerk, wie die der Cá d'oro, ohne Pfosten und ihre Eselsrückenbogen sind mit einer Blume bekrönt; über dem Portalgiebel hat eine kleine Rosette gesessen. Der Hauptgiebel selbst ist ziemlich flach, und seine Umfassung, aus convexen Curven bestehend, die durch stufenartige Absätze voneinander getrennt sind, macht eigentlich gar keine Wirkung; der einzige Schmuck dieses Giebels sind drei Tabernakel, gerade so gestaltet, wie die auf dem Dogenpalast, ja fast noch reiner im Styl, aber ohne Statuen. Die dem Wasser zugekehrte Langseite der Abtei ist besser disponirt und consequenter durchgeführt, als die Westfront; sie ist in zwölf Theile getrennt durch Lisenen, deren ganze Zwischenräume im Erdgeschoss sich in Rundbogen öffnen, wodurch eine Art Kreuzgang unter dem Gebäude entsteht, der jetzt als bedecktes Trottoir dient. Der Hauptsims ist eine sehr nette Combination von Ziegelarchitectur und Marmorformen.
14) Die Kapelle S. Madonna dei Mascoli in der Markuskirche empfing unter der Regierung des Francesco Foscari, welcher unsern Bartolomeo sehr begünstigt zu haben scheint, im Jahre 1430 einen Altar von der Hand dieses Künstlers. Er steht bei M. Fig. 45 (S. 155) und zeigt in Bezug auf die Gestaltung der Giebel, der Kriechblumen, der Tabernakel etc. ungemein viel Verwandtschaft mit der Porta della Charta, ja selbst dieselben Inconsequenzen und Annäherungen zur Renaissance, wie jene, z. B. enden die Nischen nach oben in Muscheln, die Friessund Streifenverzierungen zeigen Akanthusformation etc.
Was nun die Statuen selbst anlangt, so scheint die Hauptfigur, die

 

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