Geschichte der Architektur und Bildhauerei in Venedig 261 263

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von Montagnana erbaut, schon unter Michiel Steno wieder abbrannte wieder aufgebaut ward, aber später abermals und zwar von Bartolomeo Buon dem zweiten neu aufgerichtet werden musste.
11) Wie bereits erwähnt wird Bartolomeo der erste in einem Document aus dem Jahr 1439 benannt als maestro Bartolo tajapietra da S. Maria dell' Orto, sein Vater aber Zuane Bome tajapietra della Contrada di S. Marzilian; wenn wir nun auch schon gesehen haben, dass bereits 1390 der Bau an S. Maria dell' Orto so weit vorgeschritten war, dass darin begraben werden konnte; also jedenfalls auch die Vorderfaçade im Skelett wenigstens errichtet sein musste, so können wir doch mit vieler Wahrscheinlichkeit die Architectur dieser Façade als nach seinem Entwürfe, ja die Statuen an derselben als von seiner Hand gearbeitet annehmen, mit um so mehr Wahrscheinlichkeit, als Sansovino dieselbe Angabe macht, der doch nicht viel später lebte und recht gut über solche Daten unterrichtet zu sein scheint.
Die Hauptdisposition dieser Façade weicht, wie schon erwähnt, von der damals eigentlich üblichen, mit drei ganzen Giebeln etwas ab und kehrt zu der frühem basilikalen Form zurück; die Lisenen tragen Tabernakel; unter den Giebellinien ziehen sich reiche Simswerke hinauf; die einzelnen Theile dieser Simswerke sind nun wohl mit Ausnahme einiger Carniessconsolchen, Muschelnischen etc. gothisch; ihre Zusammenstellung aber zeugt von dem Schwanken zwischen Gothik und Renaissance und an der dadurch hervorgebrachten Unsicherheit und geringen Marquirtheit in der Anordnung und der Hauptlinie der Profile könnte man schon ohne obige Nachrichten die spätere Entstehung dieser Decoration hinlänglich erkennen. Dennoch scheint unser Bartolomeo durchaus nicht wissentlich zur Renaissance inclinirt zu haben; man sieht überall das Bestreben, in den Grenzen der Gothik zu bleiben, trotz dem wahrscheinlich damals schon sehr lebhaften Andrängen der Renaissanceformen, welches ihm schon bei weitem mehr zu schaffen gemacht zu haben scheint, als den Masegne. Die Tabernakel sind hier noch nicht vollständig entwickelt und werden wir ihre, hauptsächlich von den Buon angewendete Form später näher besprechen; da auch auf der Giebelspitze, auf einer Kröpfung des Simses, die fast romanisch zu nennen ist, ein solches Tabernakel steht, so sind es im Ganzen fünf. Auf dem steigenden Spitzbogenfriess an den Halbgiebeln steht eine steigende Spitzbogengallerie auf Säulchen; an jedem Halbgiebel hat sie vier Oeffnungen, setzt sich aber auf den Lisenen fort, so dass im Ganzen 12 Oeffnungen entstehen; die darin stehenden Apostel, so wie die 5 Heiligen in den Tabernakeln sind fast alles ziemlich kurze, gedrungene Gestalten mit lebhaften, wohlgeordneten und eleganten Falten-

 

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