Molino Stucky

 

Bei der Stucky-Mühle, italienisch Molino Stucky, handelt es sich um eine ehemalige Kornmühle mit angeschlossener Teigwarenfabrik, welche sich am westlichen Ende der Insel Giudecca befindet. Der große Komplex wurde ab 1880 für Unternehmer Giovanni Stucky (1843-1910), Sohn eines Schweizers und einer Venezianerin, errichtet und in der Folge immer wieder erweitert. Es handelte sich zur Entstehungszeit um eine der modernsten Kornmühlen Italiens und bis nach dem zweiten Weltkrieg um eine der größten. Die Anlage befindet sich auf dem Areal des ehemaligen, abgerissenen Klosters SS. Biagio e Cataldo. (Siehe auch: verlorene venezianische Kirchen)
Nach einem Brand 1895 mußte die Mühle erweitert werden. Der bis zu neun Geschosse umfassende backsteinsichtige, im Inneren aber auf einer Konstruktion in Gußeisen mit Holzbalkendecken basierende Neubau wurde von dem Hannoveraner Architekten Ernst Wullekopf in einem neugotischen Stil entworfen, der zur lokalen gotischen Überlieferung keine Bezüge aufweist. Vielmehr ist das von Wullekopf kurz zuvor errichtete Silo der Gilde-Brauerei in Hannover, bei dem Formengut der norddeutschen Backsteingotik zur Andwendung kam, das unmittelbare Vorbild. Dies wird insbesondere an dem über 50m langen Kornsilo am Rio di San Biagio deutlich. Das Urteil der Commissione all'Ornato fiel zwar negativ aus (La Commissione d'ornato, pur riconoscendo un valore artistico nel progetto presentato, osservò che il progetto stesso è in dissonanza col carattere di tutte le fabbriche veneziane, e produrebbe quindi in quel punto della città una impressione non buona), doch wurde der Entwurf fast unverändert umgesetzt.
Als im Jahre 1955 die Produktion eingestellt wurde, kaufte ein Immobilienunternehmen die gesamte Anlage als Bauland. Nach jahrelangem Leerstand wurde die Mühle, Vendigs wichtigstes Industriedenkmal, 1988 unter Denkmalschutz gestellt. 1992 wurde. beschlossen, ein Kongreßzentrum und ein Hotel ("Molino Stucky Hilton", 380 Betten) darin zu einzurichten. Am 15. April 2003, als die Umbauarbeiten bereits im Gange waren, brannte der architektonisch interessanteste Teil - der ehemalige Kornspeicher - aus. Die Außenwand am Rio di San Biagio kollabierte und stürzte in den Kanal. Erinnerungen an die erfolgreiche "Warmsanierung" des Theaters La Fenice wurden wach. Mit schwerem Gerät wurden die Reste des Denkmals entsorgt, und wenige Wochen später wurde die äußerliche Rekonstruktion des vormaligen Silotrakts in Angriff genommen, von den ehemals strengen Auflagen der Denkmalpflege war man im Inneren jedoch befreit.

Die vorliegenden Photographien zeigen den Zustand der Ruine im Juni 2003.

Molino Stucky 2003 Molino Stucky Hilton

Literatur

Julier, Jürgen: Il Mulino Stucky a Venezia. Venezia 1978

 

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