Geschichte der Architektur und Bildhauerei in Venedig 276 278

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wenigen erhaltenen alten Theile zeigen bei weitem mehr Herrschaft über die gothische Form, als die bis jetzt besprochenen ; sämmtliche Vialchen sind fast germanisch, sämmtliche Giebelchen geradschenkelig und mit beinahe deutschen Kriech- und Kreuzblumen besetzt; dieses Alles erinnert zum Theil an die Details von S. Maria dell' Orto, namentlich auch der Umstand, dass hier und da Rundbogen mit durchbrochenen Nasen vorkommen; wir glauben daher vermuthen zu dürfen, dass Bartolomeo die Architectur dieses Fensters entworfen habe, wenigstens den ganzen obern Theil, während die eigentliche Fensteröffnung, nebst den darüberstehenden Rundfenstern so grosse Uebereinstimmung mit den andern einfachern Fenstern und in den Gliederungen ein so zähes Festhalten am Althergebrachten, an dem Vorbilde der Hallen etc. zeigt, dass diese Theile uns von dem Vater Giovanni herzurühren scheinen, der wohl den Totalentwurf zu dem ganzen Baue gefertigt und seinem Sohne die detailirte Ausführung überlassen haben mag. Was nun die Figuren betrifft, so weichen sie durch ihre lebhafteren Bewegungen und eine strengere Anatomietreue von denen an S. Maria dell' Orto ab, scheinen also nicht von Bartolomeo's Hand zu sein; vielleicht sind sie von Pantaleone, wenn man anders annehmen will, dass die Familie ohne wesentliche fremde Beihilfe, blos mit Zuziehung von Arbeitern zweiten Ranges alle diese Arbeiten vollendet, was übrigens durchaus nicht zu den Unmöglichkeiten gehört.
Die Scala Foscara steht leider nicht mehr; sie befand sich im Innern des Palastes an der Stelle, wo jetzt die Statue des Francesco dalla Rovere steht und führte auch den Namen Scala di Piombo wegen ihrer Bedachung. 1618 hat man sie bereits abgetragen. Abbildungen existiren in dem Werke des Vecellio „Degli habiti antichi e moderni etc."- und davon copirt in der Lettera discorsiva sul Palazzo Ducale, Venezia 1835. Da aber beide Abbildungen erst nach dem Abtragen der Treppe gemacht sind, so kann man sich nicht ganz auf sie verlassen. Sie scheint ähnlich der im Rathhaus von Verona gewesen zu sein. Selvatico glaubt, und wir stimmen darin ihm bei, dass diese Treppe ein Werk des Giovanni gewesen sei; doch dehnt er diese Vermuthung auf die ganze Seite des Hofes aus, wo diese Treppe stand und darin können wir ihm nicht ganz beipflichten, vielmehr glauben wir, dass diese Arbeiten von seinen Söhnen, wenn nicht gar zum Theil von den Jüngern derselben und von dem zweiten Bartolomeo herrühren, denn wenn sie sich auch in der Disposition und in einzelnen Theilen der Formgebung an die Hallen der Aussenseite anschliessen, so zeigen sie doch hier und da schon ein Hinneigen zur Renaissance und Mangel an Verständniss des Mittelalters. Der eigentliche Bau des Ganges, welcher von der Porta della Charta

 

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